„Wechselnde Pfade, Schatten und Licht“

Meditativer ökumenischer Spaziergang am Palmsonntag

Die beiden christlichen Gemeinden in Klarenthal hatten in geschwisterlicher Ökumene wieder zum meditativen Spaziergang am Palmsonntag eingeladen. Früher hieß dieser Spaziergang „Passionsgang“ und geht ursprünglich auf die Prozession zurück, in der nach einer kurzen Kreuzwegandacht in St. Klara ein großes Holzkreuz über die Graf-von-Galen-Straße zum evangelischen Gemeindezentrum getragen wurde. Auch dort wurden noch einige Stationen des Kreuzweges gebetet.

Ganz anders in den letzten Jahren, so auch in 2026. Am Palmsonntag um 14:00 Uhr trafen sich 26 Christinnen und Christen vor der Kapelle in Alt-Klarenthal. Sie folgten dem Vorbereitungsteam mit Pastoralreferentin Anke Jarzina, Daniela Blass und Pfarrer Alexander Liermann, die unter dem Leitgedanken „Hindernisse und Himmelsblicke“ den Weg in den Wiesbadener Stadtwald wiesen. An der ersten Wegkreuzung wurde innegehalten. Eine Kreuzung ist für jeden Wanderer ein Ort der Entscheidung, ob er abbiegt oder geradeaus weiterläuft. So ist es auch vielfach im Leben. Andauernd kommen Wegkreuzungen und Entscheidungspunkte auf einen zu. Das gemeinsam gesungene Lied „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte dich nicht“ leitete zur nächsten Station über. Der Weg öffnete sich auf der einen Seite zu einer Waldwiese. Daniela Blass wies darauf hin, dass die Wiese eine große Weite eröffnet. Wenn man sie betritt, steht man im Hellen und wird von allen gesehen. Bleibt man am Rand, bleibt man unsichtbar, hat aber einen guten Überblick. Sie erzählte aus ihrem Leben – von einer Situation, in der es ihr abverlangt wurde zu entscheiden, ob sie in die Weite treten sollte. Sie hat es getan und es war gut so.

Weiter ging der Pilgerpfad über unebenes Gelände hin zu von bunten Mauerstücken bekrönten steilen Erhebungen, Reste einer ehemaligen Militärschießbahn aus Vorzeiten, einem „Lost Place“. Pfarrer Liermann und Anke Jarzina sprachen über Mauern, die plötzlich im Leben vor einem auftauchen, von der Sicht von beiden Seiten der Mauer. Auch von Jesus, der im Garten Gethsemane plötzlich in der dräuend vor ihm stehenden Passion eine Mauer vor sich sah, die er zu gern umgangen hätte. Ein Fragenkatalog regte die Pilger zur Eigenreflexion über die Frage nach den Mauern im eigenen Leben an.

Auf dem Rückweg hielt die Pilgergruppe noch auf dem ehemaligen Friedhof von Alt-Klarenthal inne. Hier steht ein mannshohes Kruzifix. Pfarrer Liermann nahm dieses Kreuz als Aufhänger für seine Gedanken zur Passion. Mit dem bekannten Lied „Meine engen Grenzen“ und dem Segen endete der diesjährige meditative Spaziergang. Das Wetter war den Pilgern hold, kein Regen, dafür ab und zu ein paar Sonnenstrahlen.

Text: Wolfgang Rollig