Ökumenischer Pilgertag 2026

Dem Heiligen Geist auf der Spur

Vierzehn Pilgerinnen und Pilger, eine bunt gemischte Gruppe aus der katholischen Gemeinde St. Peter und Paul sowie mehreren evangelischen Gemeinden des Nachbarschaftsraums, hatten sich zusammengefunden zum Ökumenischen Pilgertag am Pfingstsamstag, um auf dem Weg von Assmannshausen zur Marienkirche in Aulhausen die Kraft des Geistes zu erspüren. Ein Vorbereitungsteam, bestehend aus Pfr. Alexander Liermann von der Ev. Kirchengemeinde Klarenthal, Anke Jarzina, Pastoralreferentin und Outdoor-Seelsorgerin bei St. Peter und Paul sowie Daniela Blass hatte die Strecke erkundet und ein inspirierendes Programm vorbereitet.

Bei hochsommerlichen Temperaturen wartete die erste Herausforderung gleich am Anfang: eine lange Treppe vom Zentrum Assmannshausens hinauf in die Weinberge musste erklommen werden. Dabei begleiteten und motivierten uns einzelne „Schnipsel“ eines Textes von Anselm von Canterbury, die zu individuellen Interpretationen anregten und sich schließlich zum gemeinsam gesprochenen Gebet zusammenfügten. Weiter ging es stetig bergan im Zickzack über Weinbergswege, die uns hinter jeder Kurve neue Ausblicke eröffneten. Ein mit kleinen Eichen und zahlreichen anderen Pflanzen bewachsener Felsvorsprung war Anlass, sich damit zu beschäftigen, was wir im Leben wirklich brauchen und wie wir auch aus scheinbar schlechten Ausgangsbedingungen etwas machen können. Eine kurze Rast nutzte Anke Jarzina, um eine sehr persönliche Erfahrung mit der Gruppe zu teilen und ein Lied vorzuspielen, das sie mit Hilfe eines KI-Programms darüber kreiert hat: „Wo dein Geist, mein Gott, ist, da ist Freiheit“ – ein sehr berührender Moment für alle Teilnehmenden!

Am Jagdschloss Niederwald war schließlich der höchste Punkt unserer Wanderung erreicht. Von dort folgten wir zunächst ein Stück der „Großen Allee“, um dann in den Wald Richtung Aulhausen abzubiegen, wo wir uns erst einmal am Brunnen im Hof der ehemaligen Klosteranlage (heute Teil des St. Vincenz-Stifts, in dem Menschen mit Beeinträchtigungen leben, lernen und arbeiten) erfrischten.

Auch die Künstler, die die ehemalige Klosterkirche aus dem 13. Jahrhundert im Zuge ihrer Sanierung zwischen 2010 und 2015 völlig neu ausgestaltet haben, sind Menschen mit Beeinträchtigungen. Sie bringen ihre ganz eigene Sicht auf die Dinge ein und nutzen dabei eine Bildsprache, die nicht unseren gängigen Erfahrungen und Erwartungen entspricht. So nahmen wir uns erst einmal Zeit, in diesem besonderen Kirchenraum „anzukommen“, die vielfältigen Eindrücke auf uns wirken zu lassen und jede/r für sich einen Zugang zu finden, bevor wir uns in der Gruppe darüber austauschten. Anschließend las Pfr. Liermann aus der bereitliegenden Bibel in leichter Sprache die Pfingstgeschichte, wir sangen gemeinsam das Lied „Bewahre uns, Gott“ und sprachen uns gegenseitig den Segen zu. Ein Vaterunser schloss unseren Besuch in der Marienkirche Aulhausen ab.

Damit nicht nur der Geist gestärkt werde, sondern auch der Magen nicht zu kurz kommt, hatten wir auf dem Rückweg nach Assmannshausen noch eine Rast im Weingut eingeplant. Bei Spundekäs und Brezel, Oliven, Käse, Wurst und Brot ließen wir die Erfahrungen des Tages Revue passieren und uns dazu eine erfrischende Weinschorle schmecken. Im Licht der Abendsonne ging es dann zu Fuß zurück zum Bahnhof (zum Glück nur noch bergab!) und von dort per Bahn nach Wiesbaden. 

Es war ein wunderbarer, abwechslungsreicher und wahrhaft inspirierender Tag – und ganz sicher nicht unsere letzte Pilgertour!