40 Jahre Erweiterungsbau des Gemeindezentrums

- Blick zurück und nach vorn -

Die wenigsten Klarenthalerinnen und Klarenthaler werden auf Anhieb etwas mit dem Datum 21. Dezember 1986 verbinden können, doch genau an diesen Tag möchten wir hier erinnern: Es war der Tag, an dem der Anbau des Evangelischen Gemeindezentrums endlich seiner Bestimmung übergeben und mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht wurde. Er jährt sich am Vierten Advent dieses Jahres zum vierzigsten Mal. 

Vorangegangen waren viele Jahre, in denen die evangelische Gemeinde Klarenthals mit zahlreichen Provisorien leben und ihre Gottesdienste in der katholischen Notkirche, der viel zu kleinen Kapelle Alt-Klarenthal oder im Gemeindesaal feiern musste. Zwar war schon 1967 die Entscheidung für ein Gemeindezentrum in Klarenthal gefallen, 1970 mit den Bauarbeiten für den ersten Bauabschnitt begonnen worden, dieser wurde 1972 auch fertiggestellt und eingeweiht, doch die eigentliche Kirche, also der Gottesdienstraum, war erst für den zweiten Bauabschnitt vorgesehen. 

Dessen Realisierung ließ jedoch auf sich warten. Während die Gemeinde weiter wuchs und es in den vorhandenen Räumen enger und enger wurde, verschlechterte sich die Haushaltslage der Kirche in den folgenden Jahren, sodass schließlich eine deutlich verkleinerte Umplanung erforderlich wurde. Zudem musste die Gemeinde nun 30 % der Baukosten aus Eigenmitteln aufbringen. Der Beharrlichkeit der damaligen Pfarrer und Kirchenvorsteher ist es zu verdanken, dass auch diese Hürde genommen und schließlich 1984 die Zusage für einen Erweiterungsbau erteilt wurde. Der von der Bauabteilung der Gesamtgemeinde vorgelegte Entwurf stieß allerdings in der Gemeinde auf große Vorbehalte, wie sich Frau Klaus-Stöhner erinnert, deren Mann, von Beruf Architekt, das Bauprojekt damals engagiert verfolgte und fachkundig begleitete. Daraufhin setzte sich der Kirchenvorstand über die Empfehlung der Gesamtgemeinde hinweg und schrieb nochmals einen Architektenwettbewerb aus, der anhand der Vorgaben des eigens berufenen Bauausschusses (und natürlich innerhalb des genehmigten Kostenrahmens) Ideen für den Anbau des Kirchraums liefern sollte. Aus diesem Wettbewerb ging schließlich der Entwurf der Architektengemeinschaft Dierks-v. Wehrden als Sieger hervor. „Unsere Überlegungen gingen dahin, durch den Umbau dem Gemeindezentrum eine eindeutig sakrale Identität zu geben. (…) Im Innenraum wird die geometrische Grundform (Kreis) zum bestimmenden Gedanken der Gestaltungselemente von Decke und Wand“, erläutert der Architekt Herbert von Wehrden seine Ideen und Gedanken in der Festschrift zur Einweihung des erweiterten Gemeindezentrums. 

Die eigentliche Bauphase begann am 1. April 1986, bis zum Herbst waren die wichtigsten Arbeiten abgeschlossen, und bei der Inneneinrichtung legten zahlreiche Gemeindemitglieder tatkräftig mit Hand an, bevor dann am Vierten Advent die Einweihung im fertiggestellten Anbau gefeiert werden konnte. 

Neben dem Kirchraum entstand die sogenannte „Teestube“, ursprünglich gedacht und genutzt als Gesprächsraum der Gemeinde nach den sonntäglichen Gottesdiensten, heute ein beliebter Aufenthaltsort mit direktem Zugang ins Grüne.

Zusätzlich führt ein geschwungener Weg mit einer Mauer an der Seite zu einem offenen Tor am Rand des Grundstücks, das direkt an der Straße gelegen einen barrierefreien Zugang zum Gemeindezentrum ermöglicht. „Das Tor zum Gemeindezentrum ist offen. Direkt an der Straße lädt es zum Eintreten ein. Jeder soll seinen Weg hinein finden“, schreiben Pfarrer Eberhard Poch und Pfarrerin Eva Röger in der Festschrift zur Einweihung. 

Vielleicht ist es genau dies, was unsere Kirche in Klarenthal ausmacht: offen und einladend zu sein! Das strahlt die Architektur des Gebäudes aus, wie zahlreiche Besucher und Nutzer aus Klarenthal und von außerhalb immer wieder bestätigen. Wenn auch die Menschen, die dort ein- und ausgehen, offen und einladend sind und bleiben, können wir als Gemeinde zuversichtlich in die Zukunft blicken. Denn fast zeitgleich mit dem Jubiläum unserer Kirche schlagen wir ein neues Kapitel auf: Aus dem Evangelischen Gemeindezentrum wird mit dem Einzug der katholischen Kirchortgemeinde St. Klara ein Ökumenisches Zentrum, in dem beide christliche Konfessionen unter einem Dach zusammenfinden und gemeinsam diesen besonderen Ort in und für Klarenthal erhalten und gestalten. 


Stimmen zur Ev. Kirche Klarenthal

"Ich mag die Klarenthaler Kirche sehr. Der Blick ins Grüne ist wunderbar, ganz egal, aus welchem Anlass man dort ist. Ob reizarme Andacht, Kita-Workshop, Kollegiumstreffen oder Vortrag – für mich ist das wirklich eine Kirche für alle. Ein Ort, der für die Menschen da ist, an dem sich das Kirchliche nicht aufdrängt, aber immer einen angenehmen Rahmen für Begegnungen schafft." 

Nicole Nestler, Dekanat Wiesbaden, Fachstelle Gesellschaftliche Verantwortung


„Mit dem Kirchenraum in Klarenthal verbinde ich viele persönliche Begegnungen und besondere Momente, die unsere Gemeinschaft prägen. Für mich macht ihn aus, dass hier Menschen beim Gottesdienst, bei Konzerten und Lesungen, beim Jahresempfang oder in den Ortsbeiratssitzungen zusammenkommen und Klarenthal lebendig gestalten.“

Michael Koch, Ortsvorsteher Wiesbaden-Klarenthal


„Es ist für mich jedes Mal neu eine große Freude, in den Kirchraum des Gemeindezentrums Klarenthal zu kommen - sei es als Besucher einer Veranstaltung oder als Pfarrer, der in einem Gottesdienst mitwirkt. Durch die großen Fensterflächen öffnet sich der Blick direkt in das umliegende Grün, so dass Innenraum und Natur beruhigend miteinander verschmelzen. Diese einzigartige Kombination aus Offenheit und Schutz macht den Kirchraum für mich immer wieder neu zu einem wunderbaren Ort, an dem ich Gott begegnen kann.“
 
Dr. Stefan Reder, Pfarrer der Ringkirchengemeinde


„Neben dem warmen Willkommen durch die Menschen, die in der ev. Kirche in Klarenthal arbeiten und sind, gibt auch der Kirchraum sofort das Gefühl von Zuhause. Der Raum lädt zum Spielen ein: ob Salsa-Gottesdienst oder reizarme Andacht, alles ist möglich.“

Bettina Friehmelt, Stadtkirchenpfarrerin